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Alan M. Turing



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Alan Mathison Turing, * London 23. Juni 1912, $\dag $ Wilmslow (Cheshire) 7. Juni 1954, brit. Mathematiker. Wirkte u.a. in Cambridge und Manchester. T. lieferte wichtige Beiträge zur Theorie der Berechenbarkeit von Funktionen und entwarf die später nach ihm benannte Turingmaschine. Er war der Erschaffer des Konzepts der Universellen Maschine, dem Konzept der frühen Computer und der Computerlogik.


Ausbildung:
Sherbone School, 1926-1931; Wrangler, Mathematics Tripos, King's College, Cambridge; Ph.D., Princeton University, 1938; Prof. Exp: Fellow, King's College, 1935-45; Princeton University, 1936-38; British Foreign Office, Bletchley Park, 1939-45; National Physical Laboratory, 1945-48; University of Manchester, 1948-54;
Ehren und Auszeichnungen:
Smith's Prize, Cambridge University, 1936; Order of the British Empire (OBE), 1946; Mitglied der Royal Society, 1951.
Alan Turings Interesse für die Wissenschaft begann früh und verschwand niemals. Der Kontrast zwischen seinem gesteigerten Interesse für Mathematik und Naturwissenschaften und seiner Abneigung gegenüber Latein und Englischfächern befremdete seine Lehrer. Viele seine späteren Charakterzüge waren schon zu dieser Zeit ausgeprägt, so seine Freude an großen oder kleinen Problemen, die es ihm ermöglichten, die Theorie mit Experimenten, die er selbst mit der Hilfe von irgendwelchen Apparaten ausführen konnte, zu kombinieren; seine starke Vorliebe, alles von Beginn an auszuarbeiten anstatt die Vorarbeit von anderen zu benutzen - eine Gewohnheit, die seiner Arbeit Frische und Unabhängigkeit verlieh, die ihn aber verlangsamte und ihn später zu einem schwer zu lesenden Autor werden ließ. Im Jahr 1931 nahm er sein Mathematikstudium am King's College in Cambridge auf. 1936 gewann er einen Smith's Prize. 1935 wurde er für seine Dissertation zum Thema des ,,Central Limit Theorem of probabillity`` (welches er erneut entdeckte, da er kurz zuvor erschienene Veröffentlichungen zu diesem Thema ignorierte) zum Mitglied des King's College gewählt. Es war 1935, als er begann sich mit mathematischer Logik zu beschäftigen. Kurz darauf begann er die Untersuchung, die zu seinen bekanntesten Ergebnissen führen sollten, der Theorie der Berechenbarkeit und der ,,Turing-Maschine``. Die Veröffentlichung erregte sofort Aufsehen und die resultierende Korrespondenz führte dazu, daß er die nächsten zwei Jahre (1936-1938) in Princeton mit Professor Alonzo Church zusammenarbeitete. 1938 kam er nach Cambridge zurück; 1939 brach der Krieg aus. In den nächsten sechs Jahren war er mit seiner Arbeit beim Foreign Office voll ausgelastet. Diese Jahre waren glückliche Jahre für ihn, vielleicht seine glücklichsten, mit allen Möglichkeiten für seinen Erfindungsgeist, der Möglichkeit, den Tag frei zu gestalten und einem kongenialen Mitarbeiterstab. Der Verlust für seine wissenschaftliche Arbeit zwischen seinem 27. und 33. Lebensjahr war jedoch nicht wieder gutzumachen. Drei beeindruckende Veröffenlichungen zu drei verschiedenen mathematischen Problemen kurz vor dem Krieg zeigten die Qualität, die seine Arbeit hätte haben können, wenn er sich einem größeren Problem gewidmet hätte. Für seine Arbeit für das Foreign Office erhielt er den O.B.E. Am Ende des Krieges führten verschiedene Umstände dazu, sein Interesse auf die neuen automatischen Rechenmachinen zu lenken. Diese waren im Grunde Realisierungen der universellen Maschine, die er bereits 1937 zum Zwecke eines Beweises beschrieben hatte; jedoch wußten die Erbauer nichts von Turings Arbeit. Neben dieser theoretischen Verbindung, bestand ein wichtiger Grund in der Vielseitigkeit der Arbeit, die vom Entwurf elektrischer Schaltkreise bis zu einem völlig neuen Feld der Organisiation mathematischer Probleme für eine Maschine reichte. Er entschied sich, einen Lehrauftrag der Universität in Cambridge abzulehnen und der Gruppe, die am National Physical Laboratory (N.P.L.) für den Entwurf, die Konstruktion und die Anwendung großer automatischer Rechenmaschinen gebildet wurde, beizutreten. In den drei Jahren (1945-1948), die seine Anstellung dort dauerte, machte er den ersten Plan der ACE, dem automatischen Rechner des National Physical Laboratory und leistete Pionierarbeit beim Entwurf der Sub-Routinen. 1948 wurde er an die Universität in Manchester berufen, wo er zusammen mit F.C. Williams und T. Kilburn die Arbeit an einer Rechenmaschine begann. Die Erwartungen waren, daß Turing die mathematische Seite der Arbeit leiten sollte. Für eine Reihe von Jahren arbeitete er weiter, zuerst am Entwurf der Sub-Routinen aus denen die größeren Programme gebaut wurden und danach an generellen Problemen der numerischen Analysis. Von 1950 an kam er zurück auf mathematische und schließlich seine biologische Theorie. Er blieb jedoch in engem Kontakt mit dem ,,Computing Machine Laboratory``, dessen Mitarbeiter bei ihm mit den mathematischen Problemen, die bei ihrer Arbeit auftauchten, immer ein offenes Ohr und mehr noch eine Lösung dafür fanden, was ihn, durch die Kombination strenger mathematischer Analyse und intuitivem Vorgehen, mehr als einen angewandten Mathematiker denn als Theoretiker erscheinen ließ. Nach dem Krieg meinte er, daß er Abwechselung brauche und begann mit Langstreckenlauf, in dem er es zu einigem Erfolg brachte. Er gewann den 3-Meilen- und 10-Meilen-Lauf seines Clubs (dem Walton Athletic Club), beide in Rekordzeit und wurde fünfter im Amateur-Athletic-Association-Marathonlauf im Jahr 1947. Selbstverständlich für ihn brachte er auch dieses Talent von Zeit zu Zeit zu praktischer Anwendung, z.B. als er 9 Meilen von Tedington zu einer technische Konferenz in der Post Office Research Station in Nord-London rannte, da sich öffentliche Verkehrmittel als zu langwierig erwiesen. Im Gespräch hatte er einen Sinn für komische aber brilliant angebrachte Analogien, was seine volle Ausprägung in ,,brains v. machines`` in den späten 40ern erreichte. Er hatte seine Freude daran, diejenigen zu verwirren, die, wie er meinte, zu schnell annahmen, daß zwei Dinge durch eine nicht umschiffbare Klippe getrennt seien, indem er sie herausforderte, einen Test auszuarbeiten, den ein Mensch, aber keine Maschine, bestehen konnte. Turings Homosexualität wurde sehr stark ausgebreitet. Die Biographie von Andrew Hodges sollte dies (glaubt man den Herausgebern) ursprünglich groß herausbringen, doch war man in der Lage, Hodges davon zu überzeugen, daß es mehr gäbe, als diesen Aspekt seines Lebens. Genauso macht ein Stück von Whitemore die Homosexualität zum zentralen Thema und ein Fernsehspiel der BBC von 1992 mit dem Titel ,,The Strange Life and Death of Dr. Turing``. 1952 wurde Turing von einem britischen Gericht wegen ,,widernatürlicher Handlungen`` verurteilt und gezwungen, weibliche Hormone zu nehmen, um ihm seine Homosexualität ,,auszutreiben``. Das physiche Ergebnis war das Wachstum seiner Brust und dazu zunehmende Depressionen. Dies war die Zeit in der Turing die Theorie der chemischen Morphogenese studierte. Seine ,,experimentelle Methodik`` war zu versuchen, Probleme nur mit Hilfsmitteln, die sofort zur Hand waren oder die er aus dem Gedächtnis konstruieren konnte, zu lösen. Turing beging 1954 Selbstmord, indem er einen mit Strychnin vergifteten Apfel aß. Es ist nicht bekannt, ob dies ein Experiment mit unglücklichem Ausgang oder gewollt war. Wie auch immer, die Welt verlor ein mathematisches Genie auf der Höhe seiner geistigen Fähigkeiten.
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Stefan Milius
1998-02-24